Tellerrand

Das vierte Turandot Rätsel

Obgleich Friedrich Schiller zu Lebzeiten nie die Anerkennung zuteil wurde die ihm gebührte, so hat er in der Gegenwart doch einen festen Platz in der Reihe der berühmten deutschen Dichter erhalten. Das folgende Rätsel, von ihm 1802 verfasst, ist ein Teil einer Nachdichtung von Carlo Gozzis Tragikomödie Turandot. Wer weiß die Antwort?

Von Perlen baut sich eine Brücke
Hoch über einen grauen See,
Sie baut sich auf im Augenblicke,
Und schwindelnd steigt sie in die Höh.

Der höchsten Schiffe höchste Masten
Ziehn unter ihrem Bogen hin,
Sie selber trug noch keine Lasten
Und scheint, wie du ihr nahst, zu fliehn.

Sie wird erst mit dem Strom, und schwindet,
Sowie des Wassers Flut versiegt.
So sprich, wo sich die Brücke findet,
Und wer sie künstlich hat gefügt?

eriKKu

The Social Search

Auf der Suche nach Informationen, Freunden oder Angeboten hat das Internet für uns als Weg der Informationbeschaffung schon seit längerem die größte Bedeutung erlangt. Schnell mal auf Wikipedia, Facebook oder Ebay geschaut und alles ist geklärt. Doch an einer Seite führt meist kein Weg vorbei. Google.

Das 1998 von Larry Page und Sergei Brin gegründete Unternehmen hat mit seinem brilliantem Suchalogithmus, welcher für den Ottonormaluser wie eine Zauberformel daherkommt, den Umgang mit dem Internet revolutioniert. Der sogenannte „Pagerank-Algorithmus“ wichtet Seiten nach der Anzahl ihrer Verlinkungen und der Stimmigkeit mit den Suchworten. Obgleich sie nicht die erste ihrer Art war, hat sie doch dazu beigetragen, dass das Internet für uns überschaubar wird.

Doch die Zukunft der Onlinesuche sieht anders aus. „Social Search“ heißt das Zauberwort. Soziale Beziehungen wurden bisher komplett vernachlässigt. Und das soll sich nun ändern. Wer nun etwas über über ein Produkt oder das nächste Urlaubsziel wissen will, dem helfen online gestellte Rezensionen zwar weiter, aber das Optimum ist es noch lange nicht. Ziel der großen Onlineunternehmen ist die Individualisierung der Suchergebnisse. Microsofts Suchmaschine Bing hat jetzt Facebook in die Suche integriert. Im Ergebnis werden Bewertungen von Freunden vorrangig gezeigt. Studien haben bewiesen, dass 90% der Menschen bei Entscheidungen ihre Freunde um Rat fragen. Auf Basis des Social-Graph werden die vernetzten Bekanntschaften bei der Suche zu Rate gezogen.

Doch für die maßgeschneiderten Ergebnisse müssen wir einen hohen Preis bezahlen. Um das zu erfahren, was wir wissen wollen, müssen wir immer mehr von uns preisgeben. Auch wenn die Datenkraken zur Zeit nur auf Nutzerdaten zurückgreifen, die sowieso schon öffentlich zugänglich sind, werden am Ende die Datenschützer die Verlierer sein.

eriKKu

Remember, remember the fifth of November

Remember, remember the fifth of November
The gunpowder, treason and plot.
I know of no reason why the gunpowder treason
Should ever be forgot.“

Wer Guy Fawkes war und was er getan hat wissen nur wenige. Aber trotzdem wird jeder von uns seinem Gesicht schon im Wirrwarr der medialen Reizüberflutung begegnet sein. Die erste Renaissance seiner Person erlebte er 2006 mit „V wie Vendetta“ in dem der Protagonist des Films eine Fawkes Maske trug. Aber erst durch das Anonymous Kollektiv, welche die Maske seines Abbildes als Symbol ihrer Bewegung nahmen, wurde er allgegenwärtig in den Augen derer, die ihn erwarteten.

Wer ist Anonymous? Was ist Anonymous? Das Anonymous Kollektiv hat seinen Ursprung in den tiefen ominöser Imageboards wie 4chan. Als lose Protestbewegung gegründet, vertreten sie das Ziel, die Menschen über Meinungsfreiheit und Individualität aufzuklären. Wachzurütteln. Und auf die wachsende Überwachung durch Staat und Wirtschaft aufmerksam zu machen. Es ist eine Bewegung ohne administrative Elemente, lose zusammenhängend und doch allgegenwärtig. Jeder kann ein Teil sein, der Wert auf die Rechte legt, die ihm zustehen.
Anonymous Flagge

Nacktscanner, Vorratsdatenspeicherung und biometrische Passbilder werden mit der Wahrung der öffentlichen Sicherheit legitimiert. Jedoch der Zugriff auf NATO Unterlagen, welche mit veralteten Mitteln gesichert wurden, sowie das Aufweisen von Sicherheitslücken bei Sony´s Spielenetzwerk werden als krimineller Akt denunziert.

Der arabische Frühling ist erst der Beginn einer Bewegung, deren Ausmaß wir heute noch nicht abschätzen können. Informationen können nicht mehr unter Verschluss gehalten werden. Politische Fehltritte können nicht mehr vertuscht werden. Und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er weiterhin seine Privatsphäre zum öffentlichen Gut macht oder Anonym(ous) wird.

We are Anonymous.
We are Legion.
We do not forgive.
We do not forget.
Expect us!”

eriKKu

Schädliche Schadenfreude

Seit langem gab es nicht mehr so viele negative Schlagzeilen in den Medien wie jetzt. Ob das nun die Griechenlandpleite, Amokläufe oder Naturkatastrophen sind, alles wird lang und breit in den Nachrichten ausgeführt. Doch anstatt depressiv ihren Alltag zu fristen, neigen immer mehr Menschen zu ausgeprägter Schadenfreude. Hier mal ein paar Beispiele:

2.000 Personen gefällt der Amoklauf von Lörrach
Den Tod von Knut finden sogar über 5.000 Mitglieder gut
Etwa 10.000 Personen mögen die Kriegsverbrechen in Libyen
Über 20.000 Facebook-Mitgliedern gefällt Griechenlands Pleite
Die Kernschmelze in Fukushima finden sogar über 50.000 Personen gut

Also da fragt man sich doch, ob die ganze Facebook Community eine Bande schadenfroher Misanthropen ist? Die Zahlen sprechen traurigerweise für sich. Um diese These ein wenig zu untermauern zeigt ein beigefügter Link sorgfältig ausgewählte Reaktionen auf das Reaktorunglück in Fukushima.

eriKKu

Wovon reden wir überhaupt?

Wer kennt sie nicht, die geselligen Stammtische, bei denen über die neusten tagespolitischen Themen geredet wird. Jeder meint etwas zu Wissen und das zum besten geben zu müssen. Doch wie so oft stoßen wir hier auf Gesprächspartner, denen plötzlich die Argumente ausgehen wenn es tiefer in die Materie geht?

So ist es zur Zeit auch beim Thema Finanzkrise. Täglich werden wir im Radio, Fernsehen und Zeitungen mit Unmengen an aktuellsten Informationen regelrecht überschüttet. Das Gerede über Ratingagenturen, Währungsfonds und Staatsanleihen kann einem aber auch wirklich Kopfzerbrechen bereiten.

Da ist es natürlich am einfachsten, gegen die Banker zu hetzen. Das Feindbild des raubtierkapitalistischen Schlipsträgers hat sich in unseren Köpfen schon derart festgesetzt, dasa wir diese Themen schon gar nicht mehr hinterfragen. Doch eine etwas differenziertere Haltung würde wahrscheinlich dem ein oder anderen nicht schaden. Die Zeit schrieb vor kurzem einen Artikel, in dem zur Abwechslung die Zusammenhänge dargestellt wurden. Wer also bei der nächsten Stammtischrunde mal nicht nur mit Halbwissen brillieren will, sollte diesem Link folgen.